Gut ein halbes Jahr später als die USA erreicht nun das „Google Panda Update“ wie von vielen bereits prognostiziert auch Deutschland am 12.08.2011.

Bei diesem Algorithmus-Update, das im Ganzen als qualitätsverbessernde Maßnahme zu bewerten ist, gibt es keine Gewinner sondern nur Verlierer: Für den Nutzer minderwertige Seiten wurden in ihrer Sichtbarkeit teils erheblich abgewertet, Traffic-Einbußen von 50% und mehr können die Folge sein. Detaillierte Toplisten liefern Searchmetrics und sistrix jeweils gemessen anhand des eigenen Sichtbarkeitsindex.

Unter den Verlierern befinden sich neben z.B. Content-Farmen (Artikelsammlungen, Frage & Antwort Portale) und Personensuchmaschinen auch diverse E-Commerce-Seiten, vor allem im Preisvergleichssegment: Ciao.de, Kelkoo.de, Preisroboter.net, Kelkoo.de, Yopi.de oder Moebel.de befinden sich unter den Top-Verlierern. Interessanterweise sind idealo.de, guenstiger.de und billiger.de nicht von diesem Update betroffen.

Die massenhafte Ansammlung fremder Inhalte ist eine Hauptursache. Daneben scheinen eine hohe Bounce Rate, geringe Verweildauer oder ein Missverhältnis von Content zu Werbung zusätzlich zu einer Abwertung beizutragen. Das Panda Update zielte auf textlastige Inhalte, Seiten mit multimedialen Inhalten wie Videos sind zunächst verschont worden.

In den USA wurde das Update im Übrigen mehrfach nachgebessert, so dass bisher nicht betroffene Seitenbetreiber keinesfalls aufatmen können.

 

Auf den ersten Blick lassen sich zwei Implikationen für das Category und Product Management ableiten:

 

1. Einzigartiger Content wird zunehmend wichtiger.

War dieser bisher ein eher seltenes Alleinstellungsmerkmal, dass sich auf bessere Rankings ausgewirkt hat, kann verwendeter Fremd-Content nun zu einer algorithmischen Abwertung führen, die evtl. nicht mehr aufgehoben wird. Auch die Verlinkung von bereits abgewerteten Seiten könnte sich in Zukunft negativ auswirken.

Dass das Thema Content-Dubletten ein aktuelles Problem im Shoppingumfeld darstellt, zeigt dieses Beispiel: Nimmt man einen beliebigen Artikel, in diesem Fall einen Trenchcoat von otto.de und gibt einen Teil des Beschreibungstextes als exakte Suchphrase in Google ein, erhält man > 30.000 Ergebnisse von Seiten, die alle den gleichen Beschreibungstext dieses Artikels verwenden. Für die Suchmaschine ist nicht erkennbar, welcher dieser Seiten der originären Beschreibungstext zuzuordnen wäre.

Das Ziel des Category Managers muss es also sein, für das eigene Sortiment einzigartige und zudem qualitativ hochwertige Inhalte vorzuhalten. Das kann je nach Größe des Shops sehr aufwändig und teuer werden.

Eine weitere Herausforderung stellt die Integration der eigenen Inhalte über Produktfeeds in z.B. oben genannte Portale und Preissuchmaschinen dar: Einerseits ist der zielgerichtete Traffic-Zuwachs absolut erwünscht, andererseits birgt die so eigens verursachte Content-Duplikation die Unsicherheit und Gefahr in Zukunft ebenfalls von einem algorithmischen Update betroffen zu sein.

Eine zusätzliche Content-Produktion für Portale und Suchmaschinen könnte hier Abhilfe schaffen, verursacht aber gleichzeitig erhebliche zusätzlichen Aufwand in der Content-Produktion.

 

2. E-Commerce-Content wird multimedialer.

Neben Artikelbildern können in Zukunft Videoformate, interaktive Magazine oder auch Spiele eine wichtige Rolle in Online-Shops spielen. Product Manager sollten sich in diesen im Web recht jungen Bereichen bewegen können.

Breuninger beispielsweise reichert das Angebot um die Formate BreuningerTV und BreuningerTrends an. Videos und Flash-Magazinen stellen Produkte mit einer direkten Verlinkung in den Shop vor. Dieser Ansatz ist durchaus vielversprechend und zukunftsweisend.